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Fazit
Es ist hier nicht der Raum für ausführliche musikalische Analysen
der Musik Yuns, aber ich möchte versuchen eine Idee von der Art und
Weise zu geben, wie ich mir eine solche Analyse vorstellen könnte.
Sie dürfte sich keinesfalls nur auf den Notentext beschränken,
denn nur ein Bruchteil der interkulturellen Rezeptionsprozesse, die der
Niederschrift vorangegangen sind, sind dann auch dem Notentext entnehmbar,
was aber nicht heisst, dass sie damit bedeutungslos geworden wären.
Wenn wir Yuns Musik tiefer, genauer verstehen wollen, brauchen wir einen
neuen Forschungsansatz, der historisches und musikethnologisches Wissen
vernetzt und zugleich eine noch deutlich umfassendere Verfügbarkeit
schriftlicher Quellen (Übersetzung koreanischer Schriften von und
über Yun; verstärkter Austausch westlicher und koreanischer
Forschung; Sammlung und Herausgabe von Yuns Schriften und Briefen) und
den Aufbau einer oral history (systematisch geführte Interviews mit
Zeitzeugen etc.) beinhaltet. Die Ziele davon wären unter dem hier
akzentuierten Aspekt der Interkulturalität folgende:
-Verfassen einer detaillierten Chronologie von Yuns Begegnung mit westlicher
Musik/Kultur und koreanischer/ostasiatischer Musik/Kultur.
-Eine möglichst detailgetreue Rekonstruktion von Entstehungsprozessen
einzelner Werke, insbesondere einiger Schlüsselwerke; dabei wäre
zu berücksichtigen:
-welche Recherchen hat Yun im Vorfeld der Komposition betrieben; woher
stammten seine Informationen? (Ich habe versucht, mit der Recherche über
Yuns Radiosendungen in den frühen 1960er Jahren diese Forschung zu
beginnen).
-wie genau sind diese Informationen über westlichen / koreanische
Musik in das jeweilige Werk eingeflossen?
Offen lassen will ich hier die Frage, wie sich die hier implizit geforderte
Brüchigkeit des Interkulturellen musikalisch, kompositorisch konkret
kommunizieren lässt? Auf diese Frage gibt es gewiss viele Antworten
und es ist natürlich nicht allein damit getan, Instrumente der unterschiedlichen
Kulturen zu verbinden oder zu konfrontieren. Die weiterhin nur wenig in
Frage gestellte Dominanz des westlichen kulturellen Bezugssystems ist
mir jedenfalls in meinen Analysen aller Komponisten immer wieder aufgefallen;
Yun mag viel davon geahnt haben, wenn er sagte:
"Wir Asiaten sind viel länger in unserer Tradition geblieben,
weil wir zufrieden waren, und jetzt nähern wir uns sehr eilig und
unvorsichtig der europäischen traditionellen Musik. Ob das aber so
weitergehen soll oder ob wir nicht doch in unserem musikalischen Kosmos
etwas finden können, womit wir die Welt zu bereichern vermögen?"(7)
(7) Yun 1997, 300.
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